Ludwig Tieck nach Joseph Karl Stieler

Das Schaffen Ludwig Tiecks (1773-1853) ist durch seine große Vielfalt gekennzeichnet, die nicht zuletzt seinem langen Leben und seinen sehr unterschiedlichen Ideen zu verdanken ist. Diese Vielfalt spiegelt sich im Nachlass des Dichters wider, der umfangreiches unediertes Material birgt: Briefe, Textentwürfe, Texte anderer, die Tieck bearbeitete oder herausgab, geben über die Entwicklung seiner Dichter- und Kritikerkarriere Auskunft.

Es fehlt heute noch immer an einer Gesamtedition der Werke wie des Briefwechsels Ludwig Tiecks. Die Texte, die wir hier präsentieren, helfen einigen dieser Desideraten ab.

Projektverantwortliche: Anne Baillot & Johanna Preusse

Dramen/Libretti

Das Drama „Roxane“ gehört zum Jugendwerk Ludwig Tiecks. Es ist nicht exakt datierbar, seine Entstehung lässt sich aber auf den Zeitraum zwischen 1789 und 1791 einschränken. Das fragmentarisch erhaltene, mit dem Ende des ersten Akts einsetzende Manuskript des Dramas lagert in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Obgleich „Roxane“ zu Tiecks Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde, zeigt das Manuskript doch Rezeptionsspuren. So sind an den Blatträndern Kommentare von Tiecks Schulfreund Wilhelm Heinrich Wackenroder zu finden, was „Roxane“ auch zu einem frühen Dokument des literarischen Zusammenwirkens dieser beiden Autoren macht. In der Ergänzung des Titels und der Foliierung der Blätter sind außerdem Rezeptionsspuren von Tiecks Biograph und Nachlassverwalter Rudolf Köpke zu finden. Als zusätzliche Orientierungshilfe bietet die hier verfügbare Erstedition von „Roxane“ eine explizierte Szenenzählung in eckigen Klammern.

Briefe

Ludwig Tieck und Friedrich von Raumer lernten sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kennen. Ihre Freundschaft wurde in den 1810er Jahren enger, festigte sich aber vor allem nach dem Tod des gemeinsamen Freundes Karl W.F. Solger 1819. Die Veröffentlichung von „Solgers Nachgelassenen Schriften und Briefwechseln“ 1826 unternahmen sie gemeinschaftlich.

In den 1820er und 1830er Jahren tauschen sich der Dichter und der Historiker über ihre eigenen Werke aus, über die literarischen und politischen Zeitgeschehnisse, über Shakespeare. Sie berichten sich von ihren Reisen – und versuchen, Tieck aus seinen Geldnöten zu befreien.